Der Gesamtablauf einer Stangenzuführung ist unter Wie funktioniert ein Stangenlader? beschrieben. Diese Seite geht auf die Mechanik des Zuführvorgangs selbst ein.
Greifen: der Kopf der Vorschubstange
Damit die Stange geschoben werden kann, muss sie am hinteren Ende gefasst werden. Dafür gibt es zwei Prinzipien: einen Mitnehmer, der formschlüssig am Stangenende anliegt, oder eine Spannzange, die das Ende klemmt.
Beide setzen ein sauber abgetrenntes, gratfreies Stangenende voraus. Ein schräger oder gestauchter Anschnitt ist eine der häufigsten Ursachen für abgebrochene Zyklen – der Kopf greift dann nicht sicher oder verkantet.
Die Klemmung muss die Stange halten, ohne sie zu verformen. Ein zu fest gespannter Kopf kann das Stangenende aufweiten – dann passt es beim nächsten Mal nicht mehr durch die Führung.
Führen: warum der Spalt entscheidet
Sobald die Spindel dreht, rotiert die gesamte Stange mit. Der Führungskanal begrenzt ihre seitliche Bewegung – aber nur so weit, wie die eingesetzte Führungsschale es zulässt.
Ist der Spalt zwischen Schale und Stange zu groß, rotiert die Stange nicht mittig, sondern beschreibt eine Umlaufbahn im Kanal. Das erzeugt Geräusch, Schwingung und im Ergebnis Rattermarken am Werkstück.
Deshalb ist die Wahl des Führungseinsatzes keine Nebensache beim Rüsten, sondern die Einstellung mit der größten Wirkung. Mehr unter Wie funktioniert ein Führungskanal?
Schieben: Zustellung im Maschinentakt
Nach jedem Werkstück fordert die Maschinensteuerung eine Zustellung an. Der Lader schiebt die Stange um die benötigte Länge vor – Werkstücklänge plus Abstechzugabe. Anschließend spannt die Maschine, und die Bearbeitung beginnt.
Die Zeit für diese Zustellung geht direkt in die Taktzeit ein. Bei kurzen Werkstücken mit wenigen Sekunden Zerspanzeit ist das ein spürbarer Anteil; bei mehrminütigen Bearbeitungen fällt er kaum auf.
Der Übergang zur Spindel
Zwischen dem Ende des Führungskanals und dem Eintritt in die Spindel liegt eine Strecke, die konstruktiv möglichst kurz gehalten wird. Bei Maschinen mit bewegtem Spindelstock ändert sich diese Strecke während der Bearbeitung – deshalb gibt es Bauarten mit mitfahrendem Führungsmodul, das den Übergang schließt.
Mehr dazu unter Stangenlader am Langdreher.
Ende der Stange
Der Vorschub endet, wenn der Kopf die Spannzange erreicht. Weiter zu schieben würde bedeuten, den Kopf in die Spannzange zu fahren – das ist konstruktiv ausgeschlossen. Die verbleibende Länge wird als Reststück ausgeschleust.
Wichtig ist, dass die Maschine das Stangenende rechtzeitig erfährt: Sonst entsteht ein angeschnittenes Teil. Deshalb meldet der Lader das nahende Ende, bevor es erreicht ist. Mehr unter Reststück beim Lademagazin.
Häufige Fragen
Wie schiebt der Stangenlader die Stange nach?
Über eine Vorschubstange, die von hinten in den Führungskanal fährt und mit einem Mitnehmer- oder Spannzangenkopf am Stangenende angreift. Sie schiebt die Materialstange im Takt der Maschine um die jeweils benötigte Länge vor. Siehe Vorschubstange.
Warum bleibt ein Reststück übrig?
Weil der Mitnehmerkopf die Stange nur bis vor die Spannzange schieben kann. Was dahinter liegt, lässt sich nicht mehr zustellen und wird ausgeschleust. Die Länge ergibt sich aus der Maschinengeometrie, nicht aus dem Magazin allein. Siehe Reststück.
Wie wird ein Stangenlader auf einen neuen Durchmesser umgerüstet?
Führungseinsätze und gegebenenfalls die Vorschubstange werden auf die neue Durchmesserklasse gewechselt, danach werden Vereinzelung und Vorschubwege angepasst. Manche Ausführungen stellen die Führungsgeometrie automatisch ein. Ablauf unter Stangenlader einstellen.
Was tun, wenn die Stange im Kanal schlägt?
Zuerst prüfen, ob der Führungseinsatz zum Stangendurchmesser passt – ein zu großer Spalt ist die häufigste Ursache. Danach Ölstand und Ölzufuhr, Geradheit und Rundlauf des Materials sowie die Drehzahl in Relation zur freien Länge. Siehe Vibrationen vermeiden.