Die erste Weiche ist nicht die Automatisierungstechnik, sondern die Frage: Kommt das Material als Stange durch die Spindel, oder muss ein Rohteil eingelegt werden? Beide Wege führen zu ganz unterschiedlichen Lösungen.
Die Weiche: Stange oder Rohteil
Stangenmaterial wird von hinten durch die Hohlspindel geschoben, abgestochen und als Fertigteil abgeführt. Rohteile – Abschnitte, Schmiedeteile, Gussteile – werden von vorn in das Spannmittel eingelegt.
Die Entscheidung fällt an der Maschine: Ohne durchgehenden Spindeldurchlass bleibt nur der Weg über das Rohteil. Siehe Spindeldurchlass.
Verfahren im Vergleich
| Verfahren | Rohteilform | Voraussetzung an der Maschine | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Langstangenmagazin | Stange 2.200 – 6.200 mm | Hohlspindel, viel Platz dahinter | Serienfertigung, mannlose Schicht |
| Kurzstangenlader | Stange 1.100 – 1.600 mm | Hohlspindel, wenig Platz | große Durchmesser, enge Aufstellung |
| Handhabungssystem | Abschnitt, Schmiede-, Gussteil | Zugang zum Arbeitsraum | Futterteile ohne Stangenbezug |
| Manuelles Einlegen | beliebig | keine | Einzelteile, Kleinstserien |
Stangenzuführung im Detail
Bei Stangenmaterial ist das Lademagazin der Standardweg. Es bevorratet mehrere Stangen, gibt sie einzeln frei, führt sie im Kanal und schiebt sie im Takt der Maschine nach.
Die Unterscheidung zwischen langen und kurzen Stangen ist dabei die praktisch wichtigste. Sie bestimmt Flächenbedarf, Wechselhäufigkeit und Reststückanteil – die Gegenüberstellung steht unter Langstangenlader und Kurzstangenlader.
Was bei Stangenmaterial zusätzlich zählt
Bei der Stangenzuführung ist die Materialqualität Teil der Auslegung, nicht Nebensache. Drei Eigenschaften wirken unmittelbar auf den Lauf:
- Geradheit: Eine krumme Stange lässt sich im Kanal nicht wegdämpfen. Je länger die Stange, desto stärker wirkt die Abweichung.
- Durchmessertoleranz: Sie bestimmt, wie eng der Führungseinsatz gewählt werden kann.
- Anschnitt am Stangenende: Muss sauber und gratfrei sein, sonst greift der Mitnehmerkopf nicht sicher.
Wenn kein Spindeldurchlass vorhanden ist
Fehlt die Hohlspindel, scheidet die Stangenzuführung aus. Für die Automatisierung solcher Maschinen kommen Handhabungssysteme in Betracht, die Rohteile in das Spannmittel einlegen und Fertigteile entnehmen. Das ist ein anderer Technikbereich mit eigenen Anforderungen an Zugang, Taktzeit und Teilegeometrie.
Hersteller von Lademagazinen bieten in der Regel auch Handhabungssysteme an. Siehe Hersteller.
Einordnung in die Gesamtautomatisierung
Die Materialzuführung ist meist der erste und wirksamste Automatisierungsschritt – aber nur einer von mehreren. Welche weiteren Eingriffspunkte über die mannlose Laufzeit entscheiden, steht unter CNC-Drehmaschine automatisieren.
Häufige Fragen
Welche Drehmaschinen lassen sich mit einem Lademagazin automatisieren?
Grundvoraussetzung ist eine durchgehende Hohlspindel, durch die die Materialstange geschoben werden kann. Das trifft auf Kurz- und Langdrehautomaten sowie auf viele CNC-Drehmaschinen mit Stangenbearbeitung zu. Futtermaschinen ohne Spindeldurchlass scheiden aus.
Was bringt die Automatisierung konkret?
Die Maschine läuft über mehrere Stangen hinweg ohne Bedienereingriff. Das verlängert die mannlose Laufzeit, macht Nebenzeiten planbar und ist Voraussetzung für mehrmaschinige Bedienung. Der Nutzen steigt mit der Stückzahl und mit kurzen Taktzeiten.
Wie werden Drehmaschine und Lademagazin synchronisiert?
Über Signale zwischen Maschinen- und Magazinsteuerung. Die Maschine fordert Vorschub an, das Magazin meldet zurück, ob Material anliegt und ob die Stange zu Ende geht. Die konkrete Umsetzung hängt von der Steuerung ab und wird bei Nachrüstung mit dem Maschinenhersteller abgestimmt.