Ohne durchgehende Hohlspindel gibt es keine Stangenbearbeitung: Die Materialstange muss durch die Spindel hindurchreichen, damit sie von hinten nachgeschoben werden kann. Der Spindeldurchlass beschreibt genau diese Bohrung.
Was der Wert im Datenblatt beschreibt
Angegeben wird der Durchmesser der Bohrung durch die Hauptspindel – also der Querschnitt, der konstruktiv zur Verfügung steht. Er ist eine Eigenschaft der Maschine und lässt sich nicht nachträglich vergrößern.
Für die Auslegung eines Lademagazins ist dieser Wert die erste Grenze, die geprüft wird. Fehlt die durchgehende Bohrung, scheidet die Maschine für den Betrieb mit Stangenmaterial aus – dann bleibt nur die Zuführung einzelner Rohteile. Siehe Materialzuführung für Drehmaschinen.
Warum der nutzbare Querschnitt kleiner ist
In der Spindelbohrung liegt nicht nur die Materialstange. Mehrere Bauteile teilen sich den Raum und verengen ihn:
- Spannrohr
- Überträgt die Spannbewegung auf die Spannzange und liegt dabei in der Spindelbohrung. Sein Innendurchmesser ist die eigentliche Engstelle.
- Spannzange
- Sitzt vorn in der Spindel und ist auf einen Durchmesserbereich abgestimmt. Für einen anderen Bereich wird sie getauscht.
- Reduzierrohr
- Wird eingesetzt, wenn deutlich dünner gefahren wird als die Spindel zulässt. Es zentriert die Stange und verhindert, dass sie im Spindelinnenraum schlägt – verkleinert den Querschnitt aber weiter.
Der praktisch nutzbare Durchmesser liegt damit regelmäßig unter dem Katalogwert. Wie weit, hängt von der konkreten Ausrüstung der Maschine ab und lässt sich nicht allgemein angeben.
So wird der nutzbare Wert ermittelt
- Maschinendokumentation heranziehen: Dort steht neben dem Spindeldurchlass häufig auch der zulässige Stangendurchmesser – das ist der Wert, um den es geht.
- Spannmittel prüfen: Welches Spannrohr ist verbaut, welche Spannzange, liegt ein Reduzierrohr ein?
- Innendurchmesser des Spannrohrs messen, wenn keine Angabe vorliegt. Er ist die engste Stelle des Wegs.
- Gegenprobe mit einem Materialabschnitt: Ein kurzes Stück des vorgesehenen Materials muss sich von hinten durchschieben lassen, ohne zu klemmen.
- Ergebnis dokumentieren – es ist die Grundlage für jede Anfrage zum Lademagazin.
Bei der Gegenprobe zählt Material aus der laufenden Lieferung, nicht ein Musterabschnitt aus dem Lager. Maßgeblich ist das Ist-Maß der Charge einschließlich ihrer Toleranz.
Profilmaterial: das Maß über Ecke
Bei Sechskant- und Vierkantmaterial ist nicht die Schlüsselweite maßgeblich, sondern das umschriebene Maß über Ecke. Dieses Maß entscheidet, ob das Material durch den freien Querschnitt passt.
Der Unterschied ist erheblich und wird regelmäßig übersehen, weil Material nach Schlüsselweite bestellt und benannt wird. Wer die Schlüsselweite gegen den Spindeldurchlass rechnet, kommt zu einem zu optimistischen Ergebnis.
Dasselbe gilt für die Führungsschale im Magazin: Auch sie muss zum Maß über Ecke passen, und Profilmaterial rotiert im Kanal anders als Rundmaterial. Siehe Führungskanal.
Was außerdem am Spindeldurchlass hängt
Der Durchlass ist nicht nur eine Frage des Durchmessers. Er hängt konstruktiv mit der Auslegung der gesamten Spindeleinheit zusammen.
- Spannkraft: Welche Kraft mit welchem Spannmittel aufgebracht werden kann, gibt die Maschinendokumentation vor. Sie begrenzt bei großen Durchmessern mit, was zerspanungstechnisch möglich ist.
- Höchstdrehzahl: Sie steht im Datenblatt der jeweiligen Maschine und ist unabhängig vom Magazin zu betrachten – sie folgt nicht aus dem Durchlass allein.
- Spindelbauform: Wie lang die Bohrung ist und wie das Spannmittel darin sitzt, bestimmt zusammen mit dem Kopf der Vorschubstange die verbleibende Restlänge. Siehe Reststück beim Lademagazin.
Wenn der Durchlass nicht reicht
Stellt sich heraus, dass das vorgesehene Material nicht durch die Spindel passt, gibt es vier Wege – in der Reihenfolge, in der sie üblicherweise geprüft werden:
- Materialquerschnitt prüfen: Lässt sich das Teil aus dünnerem Ausgangsmaterial fertigen, ohne dass die Bearbeitungszeit unvertretbar steigt?
- Spannmittel prüfen: Ist ein Spannrohr mit größerem Innendurchmesser für diese Maschine verfügbar? Das ist mit dem Maschinenhersteller zu klären.
- Auf eine andere Maschine im Haus ausweichen, deren Durchlass ausreicht.
- Auf Rohteilzuführung umstellen: Vorgesägte Abschnitte werden einzeln zugeführt. Das ist ein anderer Automatisierungsansatz mit eigener Wirtschaftlichkeit. Siehe Materialzuführung für Drehmaschinen.
Was nicht geht: die Spindelbohrung aufbohren. Sie ist Teil einer hochbelasteten, gelagerten Baugruppe.
Der Durchlass ist nur eine von mehreren Grenzen
Er ist die harte Obergrenze der Maschine, aber nicht automatisch die engste Grenze im System. Führungseinsätze und Vorschubstange des Magazins wirken zusätzlich, und bei kleinen Durchmessern entscheidet die Vereinzelung.
Die vollständige Reihenfolge steht unter Stangendurchmesser beim Lademagazin, das praktische Vorgehen unter Stangendurchmesser richtig auswählen.
Hauptspindel und Gegenspindel
Bei Maschinen mit Gegenspindel gibt es zwei Durchlasswerte, und sie sind selten gleich. Für die Zuführung ist die Hauptspindel maßgeblich – dort wird das Stangenmaterial eingeschoben.
Die Gegenspindel übernimmt das abgestochene Werkstück und begrenzt damit nicht den Stangendurchmesser, sondern die Werkstückgeometrie, die sie aufnehmen kann. Wer beide Werte verwechselt, legt entweder zu klein aus oder wundert sich über eine Grenze, die es an der Hauptspindel gar nicht gibt.
In Datenblättern stehen beide Werte oft untereinander und ähnlich benannt. Bei der Übernahme in die eigene Auslegung lohnt der zweite Blick, welcher Wert gemeint ist.
Typische Messfehler
Der nutzbare Querschnitt wird häufig ermittelt – und dabei wiederholen sich einige Fehler, die alle in dieselbe Richtung führen: Das Ergebnis fällt zu groß aus.
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Am Spindeleintritt gemessen statt an der engsten Stelle | Die Engstelle liegt meist im Spannrohr, nicht am Eintritt |
| Ohne eingebautes Spannmittel gemessen | Der Wert ist deutlich zu groß und praktisch unbrauchbar |
| Reduzierrohr übersehen | Es verkleinert den Querschnitt weiter und wird leicht vergessen |
| Nennmaß des Materials statt Ist-Maß gerechnet | Material am oberen Rand der Toleranz klemmt |
| Bei Profilmaterial die Schlüsselweite gerechnet | Maßgeblich ist das Maß über Ecke |
| Musterabschnitt aus dem Lager statt Material der laufenden Charge | Chargen unterscheiden sich innerhalb ihrer Toleranz |
Spannmittel: was den Querschnitt im Einzelnen verengt
Die Bauform des Spannmittels bestimmt, wie viel vom Spindeldurchlass übrig bleibt. Drei Ausführungen sind verbreitet, und sie unterscheiden sich in ihrer Wirkung erheblich.
- Spannzange mit Spannrohr
- Der Innendurchmesser des Spannrohrs ist die Engstelle. Für den Stangenbetrieb die übliche Ausführung.
- Reduzierrohr
- Wird eingesetzt, wenn deutlich dünner gefahren wird als die Spindel zulässt. Es zentriert die Stange im Spindelinnenraum und verhindert, dass sie dort schlägt – verkleinert den Querschnitt aber weiter.
- Kraftspannfutter
- Für Futterbetrieb ausgelegt. Ob und wie damit Stangenmaterial gefahren werden kann, ist maschinenspezifisch und mit dem Hersteller zu klären.
Bei der Auslegung ist deshalb nicht nur zu fragen, was heute eingebaut ist, sondern auch, welche Spannmittelwechsel im Teilespektrum vorkommen. Ein Wechsel des Spannmittels verändert den nutzbaren Querschnitt – und damit gegebenenfalls den zulässigen Stangendurchmesser.
Der Wert in der Anfrage
In einer Anfrage zum Lademagazin ist der Spindeldurchlass die erste technische Angabe – und die einzige, bei der eine falsche Zahl die gesamte Auslegung wertlos macht.
- Katalogwert des Spindeldurchlasses nennen und getrennt davon den gemessenen nutzbaren Querschnitt.
- Angeben, welches Spannmittel dabei eingebaut war.
- Angeben, ob ein Reduzierrohr verwendet wird und für welchen Bereich.
- Bei Profilmaterial das Maß über Ecke nennen, nicht die Schlüsselweite.
- Wenn die Maschine mit unterschiedlichen Spannmitteln betrieben wird: alle Zustände nennen.
Die vollständige Liste der Angaben steht unter Lademagazin kaufen – worauf achten?, die Auswahlreihenfolge unter Welches Lademagazin passt zu meiner CNC-Drehmaschine?.
Häufige Fragen
Welche Drehmaschinen lassen sich mit einem Lademagazin automatisieren?
Grundvoraussetzung ist eine durchgehende Hohlspindel, durch die die Materialstange geschoben werden kann. Das trifft auf Kurz- und Langdrehautomaten sowie auf viele CNC-Drehmaschinen mit Stangenbearbeitung zu. Futtermaschinen ohne Spindeldurchlass scheiden aus.
Was bringt die Automatisierung konkret?
Die Maschine läuft über mehrere Stangen hinweg ohne Bedienereingriff. Das verlängert die mannlose Laufzeit, macht Nebenzeiten planbar und ist Voraussetzung für mehrmaschinige Bedienung. Der Nutzen steigt mit der Stückzahl und mit kurzen Taktzeiten.
Wie werden Drehmaschine und Lademagazin synchronisiert?
Über Signale zwischen Maschinen- und Magazinsteuerung. Die Maschine fordert Vorschub an, das Magazin meldet zurück, ob Material anliegt und ob die Stange zu Ende geht. Die konkrete Umsetzung hängt von der Steuerung ab und wird bei Nachrüstung mit dem Maschinenhersteller abgestimmt.
Quellen und Prüfstand
- FMB Maschinenbaugesellschaft mbH & Co. KG – turbo 20-100 (Herstellerangabe: Führungseinsätze passend zu Stangendurchmesser und Spindeldurchlass, abgerufen am 29.08.2026)