Lademagazin

Aufbau eines Lademagazins

Ein Lademagazin besteht aus wenigen, klar abgegrenzten Baugruppen. Wer sie kennt, kann Datenblätter lesen und Störungen der richtigen Stelle zuordnen.

Bauform und Automatisierungsgrad unterscheiden sich zwischen Herstellern und Baugrößen erheblich. Die Funktionsgruppen sind jedoch überall dieselben – und liegen alle auf einer gemeinsamen Achse: der verlängerten Spindelachse der Drehmaschine.

rotiert mit SpindeldrehzahlÖlspalt im Führungskanalgeführt vom LademagazinSpindelbohrungfreier ÜberstandMagazinsteuerungMaschinensteuerungVorschub anfordernMaterial steht · Stangenende1234567891011121Stangenmagazin2Vereinzelung3Vorschubstange4Führungskanal5Ölkreislauf6Hauptspindel7Spannzange8Lünette (Maschine)9Werkzeug10Magazinsteuerung11Maschinensteuerung12Signalaustausch
Die Funktionsgruppen eines Lademagazins in ihrer räumlichen Anordnung zur Drehmaschine – und die Grenze, an der die Maschine übernimmt.

Magazinauflage und Stangenbevorratung

Die Materialstangen liegen auf einer geneigten Auflage. Die Neigung sorgt dafür, dass die Stangen selbsttätig zur Vereinzelung nachrutschen. Die Kapazität wird meist als nutzbare Auflagebreite angegeben – wie viele Stangen darauf liegen, ergibt sich erst mit dem Stangendurchmesser.

Eine Kapazitätsangabe in Stück ist ohne Durchmesserbezug nicht aussagekräftig. Auf derselben Auflage liegen bei 12 mm deutlich mehr Stangen als bei 60 mm.

Vereinzelung

Das Vereinzelungsorgan trennt die vorderste Stange vom Vorrat und übergibt sie an den Führungskanal. Es muss zwei Fehler sicher ausschließen: dass keine Stange kommt und dass zwei Stangen gleichzeitig kommen.

Bei dünnem Material steigt die Anforderung deutlich, weil sich dünne Stangen leicht verhaken. Für sehr kleine Durchmesser werden deshalb Vereinzelungen eingesetzt, die das Material schrittweise freigeben statt in einer Bewegung.

Führungskanal und Führungsschalen

Der Kanal ist das längste Bauteil des Magazins und bestimmt seine Baulänge. Er nimmt sowohl die Materialstange als auch die dahinterliegende Vorschubstange auf.

Die eigentliche Führung übernehmen wechselbare Schalen oder Einsätze im Kanal. Sie werden passend zum Stangendurchmesser gewählt. Bei Ausführungen mit werkzeuglosem Wechsel geht das ohne Werkzeug; manche Bauarten verstellen die Führungsgeometrie sogar automatisch über die Steuerung.

Querschnitt FührungskanalKanalgehäuseFührungsschale, wechselbarÖlspaltMaterialstange
Im Querschnitt: Kanalgehäuse, wechselbare Führungsschale, Ölspalt und Materialstange.

Ölversorgung

Bei ölgefluteten Kanälen gehört ein Ölkreislauf zur Baugruppe: Pumpe, Vorratsbehälter, Zuführung in den Kanal und Rücklauf. Das Öl dämpft die Stange, schmiert die Gleitpaarung und führt Wärme ab.

Die Ölversorgung ist ein Wartungspunkt, kein Nebenaspekt: Sinkt der Füllstand oder verlegt sich die Zuführung, äußert sich das zuerst als steigendes Geräusch über die Schicht. Mehr unter Ölflutung bei Lademagazinen.

Vorschubstange und Kopf

Die Vorschubstange läuft selbst im Führungskanal und ist damit ebenfalls ein geführtes Bauteil. Ihr Durchmesser gehört zur Durchmesserklasse dazu – wird er zu klein gewählt, läuft sie im Einsatz unruhig.

Am vorderen Ende sitzt der Kopf, der das Stangenende greift. Er ist entweder als Mitnehmer ausgeführt, der formschlüssig anliegt, oder als Spannzange, die das Stangenende klemmt. Beide Bauarten setzen ein sauber abgetrenntes, gratfreies Stangenende voraus.

VorschubrichtungVorschubstangeSpannzange / MitnehmerMaterialstangeDer Kopf greift das Stangenende und schiebt die Stange im Takt der Maschine nach.
Vorschubstange, Kopf und Materialstange im Führungskanal.

Antrieb

Der Antrieb erzeugt die Vorschubbewegung. Verbreitet sind Riemen-, Ketten- oder Servolösungen. Für die Auslegung relevant ist weniger die Bauart als die Frage, wie fein die Zustellung geregelt werden kann und wie schnell die Vorschubstange nach dem Stangenwechsel zurückfährt – diese Rückfahrzeit geht direkt in die Wechselzeit ein.

Steuerung und Schnittstelle

Das Magazin bringt eine eigene Steuerung mit, arbeitet aber im Verbund mit der Drehmaschine. Über die Schnittstelle laufen Freigabe, Rückmeldung, Stangenendemeldung und Störung.

Bei Neumaschinen ist diese Kopplung ab Werk vorgesehen. Bei Nachrüstungen ist sie der Punkt, der am frühesten geklärt werden sollte – nicht der letzte. Siehe Lademagazin nachrüsten.

Ausrichtung zur Maschine

Zum Aufbau gehört die Aufstellung: Das Magazin muss auf die Spindelachse ausgerichtet werden, in Höhe und in seitlicher Lage. Ein Versatz am Kanalanfang wirkt über die gesamte Stangenlänge und zeigt sich später als Einfädelproblem oder als einseitiger Verschleiß an den Führungsschalen.

Häufige Fragen

Woraus besteht ein Lademagazin?

Aus der Stangenbevorratung, einer Vereinzelung, dem Führungskanal mit wechselbaren Führungseinsätzen, der Vorschubstange mit Mitnehmer- oder Spannzangenkopf, dem Antrieb, der Steuerung und der Schnittstelle zur Drehmaschine. Der Aufbau ist im Detail beschrieben.

Wie viele Stangen fasst ein Lademagazin?

Das hängt von Baugröße, Stangendurchmesser und Stangenlänge ab. Die Kapazität wird meist als Breite der Magazinauflage angegeben; wie viele Stangen darauf liegen, ergibt sich aus deren Durchmesser. Belastbare Werte nennt nur das Datenblatt der jeweiligen Baugröße.

Braucht ein Lademagazin eine eigene Steuerung?

Es bringt eine eigene Steuerung mit, arbeitet aber im Verbund mit der Drehmaschine. Ausgetauscht werden Signale wie Freigabe zum Vorschub, Stangenende, Materialende und Störung. Wie diese Kopplung aussieht, hängt von Maschinensteuerung und Baujahr ab.

Wofür ist die Ölflutung im Führungskanal gut?

Der Ölfilm zwischen Führungsschale und rotierender Stange dämpft, schmiert und führt Wärme ab. Das reduziert Geräusch und Schwingung und ist die Voraussetzung dafür, dass höhere Drehzahlen überhaupt sinnvoll fahrbar sind. Mehr unter Ölflutung bei Lademagazinen.