Ein Stangenlader übernimmt drei Aufgaben gleichzeitig: Er hält die Materialstange auf der Spindelachse, er lässt sie mit der Spindel rotieren, ohne dass sie schlägt, und er schiebt sie im Maschinentakt um die benötigte Länge nach. Fällt eine dieser drei Aufgaben aus, merkt man es sofort an der Oberfläche des Werkstücks.
Der Zuführvorgang Schritt für Schritt
Der Ablauf ist bei allen Bauformen gleich. Unterschiede liegen in der Ausführung der einzelnen Schritte, nicht in ihrer Reihenfolge.
- Die Vereinzelung gibt eine Stange aus dem Vorrat frei und legt sie in den Führungskanal.
- Die Vorschubstange fährt heran und greift das hintere Stangenende mit Mitnehmer oder Spannzange.
- Die Stange wird durch die Hauptspindel bis zur Bearbeitungsposition geschoben und dort gespannt.
- Nach jedem Werkstück stellt der Lader die benötigte Länge nach – angefordert über die Schnittstelle zur Maschine.
- Erreicht der Mitnehmerkopf die Spannzange, ist die Stange verbraucht. Das Reststück wird ausgeschleust, die nächste Stange folgt.
Ausführlich beschrieben unter Funktion des Stangenladers und im Beitrag Wie funktioniert ein Stangenlader?.
Was den ruhigen Lauf bestimmt
Eine rotierende Stange in einem zu weiten Kanal läuft nicht mittig, sondern beschreibt eine Umlaufbahn. Das ist die häufigste Ursache für Geräusch, Schwingung und Maßabweichung – und sie liegt fast immer an einem falsch gewählten Führungseinsatz.
- Führungseinsatz passend zum Stangendurchmesser – der wichtigste einzelne Faktor.
- Ölzufuhr und Ölstand: Der Film im Spalt dämpft und schmiert. Siehe Ölflutung.
- Geradheit und Rundlauf des Materials: Krumme oder unrunde Stangen lassen sich nicht wegdämpfen.
- Freie Länge zwischen Führung und Zerspanstelle in Relation zur Drehzahl.
Die Fehlersuche in praktischer Reihenfolge steht im Beitrag Vibrationen beim Stangendrehen vermeiden.
Rüsten und Einstellen
Ein Durchmesserwechsel ist mehr als der Tausch einer Führungsschale. Vereinzelung, Vorschubstange, Vorschubwege und die Reststückposition gehören zusammen betrachtet. Die Reihenfolge und die typischen Fehlerquellen stehen unter Stangenlader einstellen.
Reststück und Materialausnutzung
Am Ende jeder Stange bleibt eine Länge übrig, die nicht mehr zugestellt werden kann, weil der Mitnehmerkopf nicht in die Spannzange einfahren darf. Diese Länge ergibt sich aus der Maschinengeometrie und lässt sich nicht beliebig verkleinern – wohl aber durch die Wahl der Stangenlänge in ihrer wirtschaftlichen Wirkung verändern. Siehe Reststück beim Lademagazin.
Stangenlader nachrüsten
Ob sich eine vorhandene Maschine nachrüsten lässt, entscheidet sich an drei Punkten: durchgehende Spindelbohrung, Platz in Aufstellrichtung und eine Steuerung, die den Signalaustausch zulässt. Der vollständige Prüfweg steht unter Stangenlader nachrüsten.
Häufige Fragen
Wie schiebt der Stangenlader die Stange nach?
Über eine Vorschubstange, die von hinten in den Führungskanal fährt und mit einem Mitnehmer- oder Spannzangenkopf am Stangenende angreift. Sie schiebt die Materialstange im Takt der Maschine um die jeweils benötigte Länge vor. Siehe Vorschubstange.
Warum bleibt ein Reststück übrig?
Weil der Mitnehmerkopf die Stange nur bis vor die Spannzange schieben kann. Was dahinter liegt, lässt sich nicht mehr zustellen und wird ausgeschleust. Die Länge ergibt sich aus der Maschinengeometrie, nicht aus dem Magazin allein. Siehe Reststück.
Wie wird ein Stangenlader auf einen neuen Durchmesser umgerüstet?
Führungseinsätze und gegebenenfalls die Vorschubstange werden auf die neue Durchmesserklasse gewechselt, danach werden Vereinzelung und Vorschubwege angepasst. Manche Ausführungen stellen die Führungsgeometrie automatisch ein. Ablauf unter Stangenlader einstellen.
Was tun, wenn die Stange im Kanal schlägt?
Zuerst prüfen, ob der Führungseinsatz zum Stangendurchmesser passt – ein zu großer Spalt ist die häufigste Ursache. Danach Ölstand und Ölzufuhr, Geradheit und Rundlauf des Materials sowie die Drehzahl in Relation zur freien Länge. Siehe Vibrationen vermeiden.