Ohne automatische Zuführung endet die Laufzeit einer Drehmaschine mit der eingelegten Stange. Ein Lademagazin verschiebt diese Grenze: Es hält mehrere Materialstangen bereit und führt sie nacheinander zu, ohne dass ein Bediener eingreift.
Was ein Lademagazin leistet
Die Aufgabe klingt einfach: Material soll von hinten in die Spindel. Technisch anspruchsvoll wird sie dadurch, dass die Materialstange während der Zerspanung mit der Spindel rotiert. Eine mehrere Meter lange, frei rotierende Stange läuft nicht von selbst ruhig – sie muss über ihre gesamte Länge geführt und gedämpft werden. Genau das ist die eigentliche Leistung eines Lademagazins.
Daraus ergeben sich drei Anforderungen, die gleichzeitig erfüllt sein müssen: Die Stange muss sicher vereinzelt werden, sie muss geführt rotieren können, und sie muss im Takt der Maschine um genau die benötigte Länge nachgeschoben werden. Wie das im Detail abläuft, steht unter Funktion eines Lademagazins.
Aufbau: die sechs Baugruppen
Unabhängig von Baugröße und Hersteller bestehen Lademagazine aus denselben Funktionsgruppen. Sie unterscheiden sich in Ausführung und Automatisierungsgrad, nicht in der Aufgabe.
- Stangenbevorratung
- Geneigte Auflage, auf der die Materialstangen liegen. Die Kapazität ergibt sich aus Baubreite und Stangendurchmesser.
- Vereinzelung
- Gibt genau eine Stange frei. Bei sehr dünnem Material ist das der kritische Schritt – dort kommen abgestufte Vereinzelungsprinzipien zum Einsatz.
- Führungskanal
- Nimmt die Stange auf und führt sie während der Rotation. Wechselbare Führungsschalen passen den Kanal an den Stangendurchmesser an. Siehe Führungskanal.
- Vorschubstange
- Fährt von hinten in den Kanal, greift das Stangenende mit Mitnehmer oder Spannzange und schiebt nach. Siehe Vorschubstange.
- Antrieb und Steuerung
- Erzeugt die Vorschubbewegung und regelt sie. Die Magazinsteuerung arbeitet eigenständig, aber im Verbund mit der Maschine.
- Schnittstelle zur Drehmaschine
- Signalaustausch über Freigabe, Stangenende, Materialende und Störung. Bei Nachrüstungen ist das der Punkt, an dem am meisten zu klären ist.
Die einzelnen Baugruppen und ihr Zusammenwirken sind unter Aufbau eines Lademagazins ausführlich beschrieben.
Bauformen
Die praktisch wichtigste Unterscheidung ist die Stangenlänge. Sie bestimmt Flächenbedarf, Rüstaufwand und den Anteil, den Stangenwechsel an der Gesamtzeit haben.
| Merkmal | Langstangenlademagazin | Kurzstangenlader |
|---|---|---|
| Typische Stangenlänge | 2.200 – 6.200 mm | 1.100 – 1.600 mm |
| Platzbedarf hinter der Maschine | hoch, mindestens Stangenlänge plus Vorschubweg | deutlich geringer |
| Stangenwechsel je Schicht | selten | häufiger |
| Reststückanteil bezogen auf die Stange | niedriger, da die Restlänge auf mehr Material entfällt | höher |
| Typische Anwendung | Serienfertigung, mannlose Laufzeit | große Durchmesser, beengte Aufstellung, kleinere Lose |
Details zu beiden Bauformen unter Langstangenlader und Kurzstangenlader.
Auswahl: welche Grenze zuerst greift
Die Auswahl beginnt nicht beim Magazin, sondern bei der Maschine. Vier Grenzen sind der Reihe nach zu prüfen – ist eine davon verletzt, helfen die übrigen Kriterien nicht weiter.
- Spindeldurchlass: Passt der Stangendurchmesser überhaupt durch die Maschine? Maßgeblich ist der freie Querschnitt inklusive Spannrohr und Spannzange, nicht der Katalogwert allein. Siehe Spindeldurchlass.
- Durchmesserbereich des Magazins: Deckt es den benötigten Bereich mit passenden Führungseinsätzen ab? Siehe Stangendurchmesser.
- Stangenlänge und Aufstellfläche: Steht hinter der Maschine der Raum für Magazinlänge plus Vorschubweg zur Verfügung?
- Schnittstelle: Kann die Maschinensteuerung die benötigten Signale liefern und verarbeiten? Bei älteren Maschinen ist das der häufigste Stolperstein.
Lademagazin an Langdreher und Kurzdreher
Der Maschinentyp verändert die Anforderung an die Zuführung grundlegend. Beim Langdreher fährt der Spindelstock, und die Zerspanung findet unmittelbar hinter einer Führungsbüchse statt – die freie Länge zwischen Führung und Werkzeug bleibt kurz. Beim Kurzdreher steht die Spindel, das Werkzeug fährt, und die Stange steht mit wachsendem Überstand frei aus der Spannzange.
Für die Zuführung heißt das: Am Langdreher steht die durchgehende Führung der Stange bis unmittelbar an die Spindel im Vordergrund, am Kurzdreher die Beherrschung längerer freier Abschnitte und größerer Durchmesser. Ausführlich unter Lademagazin für Langdreher und Lademagazin für Kurzdreher.
Nachrüstung im Bestand
Viele Maschinen lassen sich nachträglich mit einem Lademagazin ausrüsten. Voraussetzung ist eine durchgehende Hohlspindel; ohne sie scheidet die Stangenbearbeitung aus. Danach entscheiden Platzverhältnisse, die Ausrichtung auf die Spindelachse und die verfügbare Schnittstelle. Der vollständige Prüfweg steht unter Lademagazin nachrüsten.
Häufige Fragen
Woraus besteht ein Lademagazin?
Aus der Stangenbevorratung, einer Vereinzelung, dem Führungskanal mit wechselbaren Führungseinsätzen, der Vorschubstange mit Mitnehmer- oder Spannzangenkopf, dem Antrieb, der Steuerung und der Schnittstelle zur Drehmaschine. Der Aufbau ist im Detail beschrieben.
Wie viele Stangen fasst ein Lademagazin?
Das hängt von Baugröße, Stangendurchmesser und Stangenlänge ab. Die Kapazität wird meist als Breite der Magazinauflage angegeben; wie viele Stangen darauf liegen, ergibt sich aus deren Durchmesser. Belastbare Werte nennt nur das Datenblatt der jeweiligen Baugröße.
Braucht ein Lademagazin eine eigene Steuerung?
Es bringt eine eigene Steuerung mit, arbeitet aber im Verbund mit der Drehmaschine. Ausgetauscht werden Signale wie Freigabe zum Vorschub, Stangenende, Materialende und Störung. Wie diese Kopplung aussieht, hängt von Maschinensteuerung und Baujahr ab.
Wofür ist die Ölflutung im Führungskanal gut?
Der Ölfilm zwischen Führungsschale und rotierender Stange dämpft, schmiert und führt Wärme ab. Das reduziert Geräusch und Schwingung und ist die Voraussetzung dafür, dass höhere Drehzahlen überhaupt sinnvoll fahrbar sind. Mehr unter Ölflutung bei Lademagazinen.