Stangenlader

Stangenlader einstellen

Rüsten ist kein Bauteiltausch, sondern eine Reihenfolge. Wer sie einhält, kommt in einem Durchgang zum Ziel – wer sie umdreht, stellt zweimal ein.

Die folgenden Schritte beschreiben das allgemeine Vorgehen. Verbindlich ist immer die Betriebsanleitung der konkreten Maschine – Bedienelemente, Sicherheitsvorkehrungen und Freigaben unterscheiden sich zwischen Bauarten erheblich.

Arbeiten am Lademagazin erfolgen im gesicherten Zustand nach den Vorgaben des Herstellers. Diese Seite ersetzt weder Betriebsanleitung noch Einweisung.

Schritt 1: Durchmesserklasse festlegen

Alles Weitere hängt vom Stangendurchmesser ab. Festzulegen sind: Führungseinsatz, Vorschubstange und – je nach Bauart – die Einstellung der Vereinzelung.

Zu prüfen ist auch der Spindeldurchlass mit dem eingebauten Spannmittel. Der Katalogwert allein reicht nicht. Siehe Spindeldurchlass.

Schritt 2: Führungseinsätze wechseln

Der Führungseinsatz ist die Einstellung mit der größten Wirkung auf den Lauf. Sein Innendurchmesser muss zum Stangendurchmesser passen; der verbleibende Spalt nimmt den Ölfilm auf, mehr nicht.

Spalt passend zum DurchmesserStange läuft geführt und ruhigSpalt zu großStange schlägt, Drehzahl muss zurück
Links passender Spalt, rechts zu großer Spalt: die Stange läuft im Kanal um.

Bei Bauarten mit automatischer Durchmesseranpassung entfällt dieser Schritt innerhalb des angegebenen Bereichs; die Führungsgeometrie wird dann über die Steuerung eingestellt.

Schritt 3: Vorschubstange anpassen

Die Vorschubstange läuft selbst im Führungskanal und gehört zur Durchmesserklasse. Wird nur die Führungsschale gewechselt, läuft eine zu dünne Schubstange im neuen Einsatz unruhig.

Zu prüfen sind außerdem Zustand und Sitz des Mitnehmerkopfs. Ein verschlissener Kopf greift das Stangenende nicht mehr sicher. Mehr unter Vorschubstange beim Stangenlader.

Schritt 4: Vereinzelung einstellen

Die Vereinzelung muss genau eine Stange freigeben. Zwei Fehlerbilder sind möglich: Es kommt keine Stange, oder es kommen zwei. Beide führen zum Zyklusabbruch.

Bei dünnem Material ist dieser Schritt der empfindlichste. Auch die Materialtoleranz spielt hinein – gezogenes Material mit enger Toleranz verhält sich anders als warmgewalztes.

Schritt 5: Vorschubwege und Zustelllänge

Erst jetzt werden die Vorschubwerte gesetzt: Zustelllänge je Werkstück, Startposition, Position für die Stangenendemeldung und die Ausschleusposition für das Reststück.

Diese Werte sind vom Führungseinsatz und von der Vorschubstange abhängig – deshalb stehen sie in der Reihenfolge hinten. Wer sie vorher setzt, stellt sie nach dem Einsatzwechsel erneut ein.

Schritt 6: Ölversorgung prüfen

Vor dem ersten Anlauf werden Füllstand und Zulauf geprüft. Bei ölgefluteten Kanälen ist das keine Formalität: Ein trockener Kanal führt bei Drehzahl unmittelbar zu erhöhtem Verschleiß an der Führungsschale.

Schritt 7: Erster Anlauf

  1. Mit reduzierter Drehzahl starten und den Lauf beobachten.
  2. Auf Geräusch achten: Ein sauber gerüsteter Kanal ist leise.
  3. Stangenendemeldung an einer verkürzten Stange prüfen, bevor die Serie läuft.
  4. Ausschleusen des Reststücks einmal vollständig durchlaufen lassen.
  5. Erst danach auf Betriebsdrehzahl gehen.

Häufige Fehlerquellen

Die häufigsten Rüstfehler und wie sie sich vermeiden lassen.
FehlerWirkungVermeidung
Führungseinsatz zu großUmlaufen der Stange, Rattermarkenpassenden Einsatz verwenden, keine Zwischengröße improvisieren
Vorschubstange nicht mitgewechseltunruhiger Lauf trotz passender SchaleDurchmesserklasse als Ganzes betrachten
Vorschubwerte vor dem Einsatzwechsel gesetztzweiter Rüstdurchgang nötigReihenfolge einhalten
Stangenendemeldung nicht geprüftangeschnittenes Teil beim Stangenwechseleinmal an verkürzter Stange testen
Anschnitt der Stangen nicht kontrolliertGreiffehler, ZyklusabbruchStangenenden vor dem Beschicken sichten

Häufige Fragen

Wie schiebt der Stangenlader die Stange nach?

Über eine Vorschubstange, die von hinten in den Führungskanal fährt und mit einem Mitnehmer- oder Spannzangenkopf am Stangenende angreift. Sie schiebt die Materialstange im Takt der Maschine um die jeweils benötigte Länge vor. Siehe Vorschubstange.

Warum bleibt ein Reststück übrig?

Weil der Mitnehmerkopf die Stange nur bis vor die Spannzange schieben kann. Was dahinter liegt, lässt sich nicht mehr zustellen und wird ausgeschleust. Die Länge ergibt sich aus der Maschinengeometrie, nicht aus dem Magazin allein. Siehe Reststück.

Wie wird ein Stangenlader auf einen neuen Durchmesser umgerüstet?

Führungseinsätze und gegebenenfalls die Vorschubstange werden auf die neue Durchmesserklasse gewechselt, danach werden Vereinzelung und Vorschubwege angepasst. Manche Ausführungen stellen die Führungsgeometrie automatisch ein. Ablauf unter Stangenlader einstellen.

Was tun, wenn die Stange im Kanal schlägt?

Zuerst prüfen, ob der Führungseinsatz zum Stangendurchmesser passt – ein zu großer Spalt ist die häufigste Ursache. Danach Ölstand und Ölzufuhr, Geradheit und Rundlauf des Materials sowie die Drehzahl in Relation zur freien Länge. Siehe Vibrationen vermeiden.