Lademagazine sind langlebige Maschinen mit überschaubarer Elektronik und robuster Mechanik. Das spricht grundsätzlich für den Gebrauchtkauf. Entscheidend ist aber nicht der Allgemeinzustand, sondern ob das Gerät zu der Maschine und dem Teilespektrum passt, für das es gebraucht wird – und das lässt sich nachträglich nur begrenzt ändern.
Was sich ändern lässt und was nicht
Diese Unterscheidung ist die wichtigste beim Gebrauchtkauf. Verschleißteile sind ersetzbar; Grundeigenschaften sind es nicht.
| Eigenschaft | Änderbar? | Anmerkung |
|---|---|---|
| Durchmesserbereich der Baugröße | nein | Er ist konstruktiv festgelegt und der wichtigste Prüfpunkt |
| Vorgesehene Stangenlänge | nein | Bestimmt Baulänge und Platzbedarf |
| Bauart der Führung | nein | ölgeflutet oder nicht, mitfahrendes Modul oder nicht |
| Führungseinsätze | ja | Nachbeschaffbar, solange der Hersteller sie führt |
| Vorschubstange und Kopf | ja | Verschleißteile |
| Ölpumpe, Dichtungen, Schläuche | ja | Wartungsteile |
| Steuerung und Schnittstelle | bedingt | Der kritischste Punkt – siehe unten |
| Ausrichtung auf die Spindelachse | ja | Muss bei der neuen Maschine ohnehin neu erfolgen |
Prüfpunkt 1: Passt der Durchmesserbereich?
Ein Magazin deckt einen konstruktiv festgelegten Bereich ab. Liegt das eigene Teilespektrum außerhalb – vor allem nach unten – ist das Angebot unbrauchbar, unabhängig vom Preis.
Der kleinste Durchmesser ist dabei der kritischere Wert: Die Vereinzelung ist auf einen Bereich ausgelegt, und dünnes Material verhakt sich, wenn sie dafür nicht vorgesehen ist. Siehe Stangendurchmesser richtig auswählen.
Zu prüfen ist außerdem, ob der Bereich zum freien Querschnitt der eigenen Maschine passt. Ein Magazin, das mehr könnte, als die Spindel zulässt, ist kein Problem – umgekehrt schon.
Prüfpunkt 2: Welche Führungseinsätze sind dabei?
Die Führungseinsätze sind der Posten, der beim Gebrauchtkauf am häufigsten unterschätzt wird. Ein Magazin ohne die Einsätze für die eigenen Durchmesser ist nur ein halbes Gerät.
- Welche Einsätze sind vorhanden, und decken sie das eigene Spektrum ab?
- Sind sie verschlissen? Einseitiger Verschleiß ist ein Hinweis darauf, dass das Gerät nicht sauber ausgerichtet war.
- Sind sie beim Hersteller noch nachbeschaffbar, und was kosten sie?
- Gibt es die passende Vorschubstange zu jeder Durchmesserklasse?
Der Preis fehlender Einsätze und Vorschubstangen gehört in die Kaufentscheidung – er kann den Preisvorteil des Gebrauchtgeräts vollständig aufzehren.
Prüfpunkt 3: Steuerung und Schnittstelle
Das ist der Punkt, an dem Gebrauchtkäufe am häufigsten scheitern – nicht an der Mechanik. Magazin und Maschine tauschen Signale aus, und ob diese Kopplung an der neuen Maschine funktioniert, ist keine Selbstverständlichkeit.
- Welche Signale gibt und erwartet das Magazin, und stellt die Maschinensteuerung sie bereit?
- Liegt ein Anschlussplan vor? Ohne ihn wird die Inbetriebnahme zur Rekonstruktionsarbeit.
- Ist die Steuerung des Magazins noch mit Ersatzteilen versorgt? Elektronik ist der Teil, der zuerst nicht mehr lieferbar ist.
- Gibt es die Betriebsanleitung in einer Sprache, die im Betrieb gelesen wird?
- Sind Parameter und Einstellwerte dokumentiert, oder muss alles neu eingefahren werden?
Was auf der Schnittstellenseite im Einzelnen zu klären ist, steht unter Schnittstelle zwischen Drehmaschine und Stangenlader.
Prüfpunkt 4: Der Zustand des Führungskanals
Der Kanal ist das Herzstück und lässt sich nicht wirtschaftlich instandsetzen, wenn er beschädigt ist. Was sich prüfen lässt, auch ohne Messmittel:
- Sichtprüfung auf Riefen und Schlagstellen im Kanal – sie deuten auf Betrieb mit falschem Einsatz oder auf Fremdkörper hin.
- Zustand der Führungsschalen: gleichmäßiger Verschleiß ist normal, einseitiger deutet auf ein Ausrichtungsproblem des Vorbesitzers.
- Bei ölgefluteten Bauarten: Zustand des Öls, Dichtheit, Funktion der Pumpe. Dunkles, spanhaltiges Öl zeigt Späneeintrag und mangelnde Pflege.
- Sauberkeit insgesamt: Ein Kanal voller Späne und Abrieb sagt etwas über die Wartung der letzten Jahre.
Die Ölversorgung ist dabei kein Nebenaspekt, sondern Teil des Führungsprinzips. Siehe Ölflutung bei Lademagazinen.
Prüfpunkt 5: Warum wird verkauft?
Die Frage ist unbequem, aber aufschlussreich. Ein Magazin, das mit der zugehörigen Maschine verkauft wird, weil der Betrieb das Teilespektrum gewechselt hat, ist etwas anderes als eines, das seit zwei Jahren in einer Ecke steht.
- Mit der Maschine abgebaut
- Günstigster Fall: Der Zustand ist meist dokumentiert, und der Betrieb kann sagen, wie es lief.
- Seit längerem eingelagert
- Dichtungen und Schläuche altern auch im Stillstand. Ölreste können verharzen.
- Aus einer Insolvenz
- Häufig ohne Unterlagen und ohne Auskunftsmöglichkeit über den Betriebszustand.
- Vom Händler aufbereitet
- Zu klären: Was wurde tatsächlich gemacht, und gibt es eine Gewährleistung darauf?
Wenn möglich: das Gerät im Betrieb sehen, bevor es abgebaut wird. Ein Probelauf am alten Standort sagt mehr aus als jede Sichtprüfung im Lager.
Die Nebenkosten, die den Vergleich verschieben
Der Kaufpreis ist beim Gebrauchtgerät oft der kleinere Teil der Gesamtrechnung. Diese Posten fallen zusätzlich an und gehören in den Vergleich mit einem Neugerät:
| Posten | Fällt an bei |
|---|---|
| Transport und Verladung | immer; lange Magazine sind sperrig |
| Aufstellung und Ausrichtung auf die Spindelachse | immer |
| Anpassung der Schnittstelle | fast immer bei einer anderen Maschine |
| Fehlende Führungseinsätze und Vorschubstangen | sehr häufig |
| Verschleißteile: Köpfe, Dichtungen, Schläuche | häufig |
| Ölwechsel und Reinigung des Kanals | fast immer |
| Inbetriebnahme und Einweisung | immer, wenn es funktionieren soll |
| Rekonstruktion fehlender Unterlagen | wenn keine vorliegen |
Wann ein Gebrauchtgerät die richtige Entscheidung ist
Es gibt Konstellationen, in denen der Gebrauchtkauf klar überlegen ist – und andere, in denen er es nicht ist:
- Spricht dafür
- Das Teilespektrum ist stabil und liegt sicher im Bereich des Geräts. Unterlagen sind vollständig. Die Schnittstelle ist geklärt. Das Gerät läuft und kann in Betrieb besichtigt werden. Es geht um eine zusätzliche Maschine, nicht um den Einstieg.
- Spricht dagegen
- Der erste Einstieg in die automatische Zuführung – hier ist die Unterstützung bei Auslegung und Inbetriebnahme mehr wert als der Preisvorteil. Ein breites oder wechselndes Teilespektrum. Fehlende Unterlagen. Unklare Ersatzteilversorgung.
Beim ersten Magazin im Haus wiegt ein weiterer Punkt schwer: Beim Neugerät gehört die Auslegung auf die eigene Maschine zur Leistung. Beim Gebrauchtkauf muss man sie selbst können – oder einkaufen.
Die Prüfliste in Kurzform
- Deckt der Durchmesserbereich das eigene Spektrum ab, auch nach unten?
- Passt die vorgesehene Stangenlänge zum Platz hinter der eigenen Maschine?
- Welche Führungseinsätze und Vorschubstangen sind dabei, welche fehlen, was kosten sie?
- Liegen Betriebsanleitung, Anschlussplan und Ersatzteilliste vor?
- Ist die Steuerung noch mit Ersatzteilen versorgt?
- Stellt die eigene Maschinensteuerung die benötigten Signale bereit?
- Zustand von Kanal, Führungsschalen und Ölversorgung geprüft?
- Lässt sich das Gerät in Betrieb besichtigen?
- Sind alle Nebenkosten erfasst und dem Neupreis gegenübergestellt?
Was beim Neukauf zu beachten ist, steht unter Lademagazin kaufen – worauf achten?. Die technische Auswahl im Vorfeld unter Welches Lademagazin passt zu meiner CNC-Drehmaschine?.
Häufige Fragen
Woran scheitert eine Nachrüstung am häufigsten?
An fehlendem Spindeldurchlass, an zu wenig Platz hinter der Maschine für die Magazinlänge und an einer Steuerung, die keine geeignete Schnittstelle bietet. Alle drei Punkte lassen sich vor der Anfrage klären.
Wie viel Platz braucht ein Lademagazin?
Mindestens die Stangenlänge plus Vorschubweg hinter der Maschine, zuzüglich Bedien- und Wartungsraum an der Beschickungsseite. Bei 3.200-mm-Stangen ist der Flächenbedarf entsprechend größer als bei einem Kurzstangenlader.
Muss die Drehmaschine für den Anbau verändert werden?
In der Regel sind eine Ausrichtvorrichtung auf die Spindelachse, ein Signalanschluss und je nach Maschine ein Spindelrohr oder Reduzierrohr erforderlich. Ob Eingriffe in die Maschine nötig sind, entscheidet der Einzelfall – das ist mit Maschinen- und Magazinhersteller zu klären.